Katastrophen nehmen global zu und erfordern angepasste gesundheitliche Versorgungsstrukturen, um schnell und effizient medizinische Hilfe zu leisten. Das KATPRO Netzwerk fokussiert sich auf die Entwicklung innovativer Technologien, die in Notfall- und Katastrophensituationen unter extremen Bedingungen mit limitiertem Fachpersonal und Ressourcen umsetzbar sind.
Wir freuen uns, dass der Region Aachen Zweckverband Mitglied im Netzwerk KATPRO ist. Das im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) geförderte Projekt hat zum Ziel, Akteure aus Medizin, Rettungswesen, Katastrophenschutz, Technik und Industrie zusammenzubringen, um die medizinische Versorgung in Krisenlagen gezielt weiterzuentwickeln.
Die Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 hat in der Euregio Maas-Rhein große Schäden verursacht und gezeigt, dass eine gesundheitliche Versorgung unter extremen Bedingungen mit zerstörter Infrastruktur, knappen Ressourcen und vielen Betroffenen erprobte, standardisierte sowie digital unterstützte Konzepte benötigt. Um dies zu erreichen, konzentriert sich das Netzwerk KATPRO auf vier zentrale Wirkungsbereiche: VORSORGE, SICHTUNG, PRIORISIERUNG und VERSORGUNG.
Die Vorsorge umfasst alle vorbereitenden Maßnahmen, die notwendig sind, um im Ernstfall handlungs- und einsatzfähig zu sein. Dazu zählen insbesondere eine funktionierende Organisation des Bevölkerungsschutzes, die qualifizierte Ausbildung und angemessene Ausstattung der Einsatzkräfte sowie die vorausschauende Bereitstellung kritischer Ressourcen. Ziel ist es, Strukturen und Abläufe so zu gestalten, dass sie im Krisenfall zuverlässig greifen. Die Sichtung bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen im Einsatz. Sie beschreibt die strukturierte Ersteinschätzung von Verletzten oder Erkrankten und ermöglicht eine zielgerichtete Einsatzsteuerung. Dafür sind praxistaugliche Konzepte mit klar definierten Kriterien und Zuständigkeiten erforderlich, die durch digitale Unterstützung ergänzt werden, um Entscheidungen schnell, transparent und nachvollziehbar treffen zu können. An die Sichtung schließt die Priorisierung an. Sie befasst sich mit der Frage, wer in einer Ausnahmesituation zuerst Hilfe erhält. Diese Entscheidungen erfordern klare ethische Leitlinien, fundiertes medizinisches Wissen und eine hohe praktische Umsetzbarkeit im Einsatzgeschehen. Der Blick auf teilweise veraltete Systeme verdeutlicht den Bedarf an modernen, digitalisierten und möglichst automatisierten Verfahren. Die Versorgung schließlich umfasst alle medizinischen Maßnahmen in der akuten Phase – von der Erstversorgung am Einsatzort bis zur Weiterbehandlung. Neben der medizinischen Betreuung der Betroffenen spielen auch verbesserte Rahmenbedingungen für die Einsatzkräfte, effiziente logistische Abläufe und tragfähige Versorgungsstrukturen eine zentrale Rolle, um eine belastbare und leistungsfähige Versorgung sicherzustellen.
Der RAZV unterstützt das Netzwerk KATPRO bei der Umsetzung von kooperativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten und der Netzwerkarbeit. Damit wollen wir einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Bereich der gesundheitlichen Versorgung in Krisensituationen leisten.