26.05.2023 | Pressemitteilung

Pharmazeutische Versorgung in Stadt und Land

Am Donnerstag, 25. Mai 2023, trafen sich im Zentrum von Aachen Apotheker*innen mit Vertreter*innen aus Kommunen und Wirtschaft, um über die wachsenden Herausforderungen und neue Lösungsansätze zur Sicherstellung der pharmazeutischen Versorgung für die Menschen in unserer Region zu diskutieren.

Der zunehmende Fachkräftemangel, die wiederkehrenden Lieferengpässe bei Arzneimitteln sowie die sinkende Vergütung bei steigenden Belastungen machen den Apotheken zu schaffen. Es besteht die Gefahr, dass die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln in Zukunft nicht mehr gewährleistet werden kann. Das gilt insbesondere für die ländlichen Teile der Region. „Für Patient*innen sind Apotheken ein leicht zu erreichender und kompetenter Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen. Damit auch in Zukunft gute pharmazeutische Versorgung überall und für jeden Bürger und jede Bürgerin verfügbar ist, müssen Apotheken angesichts der aktuellen Herausforderungen gestärkt werden“, erklärt Brigitte Kleinehanding, Apothekerin und stellv. Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Nordrhein erläuterte die wichtige Position der Apotheker*innen ist.

Im Rahmen des Projektes Care and Mobility Innovation greifen die Region Aachen und die StädteRegion Aachen das Thema auf. Gemeinsam mit den Apotheken in der Region und der Apothekerkammer Nordrhein werden sie kommunal unterstützte Handlungsansätze erarbeiten, um die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten zu sichern.

Dr. Michael Ziemons, Gesundheitsdezernent der StädteRegion Aachen, betonte bei der Veranstaltung: „Bereits heute gibt es in unserer weitläufigen Region Gemeinden, in denen eine Unterversorgung – sowohl im Apothekenbereich als auch mit Hausärzten – schon besteht oder droht. Die Rahmenbedingungen sind vielfach nicht gerade hilfreich. Wir wollen aber nicht zuwarten und jammern, sondern vor Ort die Situation verbessern und Vorreiter einer Entwicklung sein, die in ganz Deutschland zwangsläufig kommen wird. Um weiterhin eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, wollen wir neue digitale Service-Angebote für Apotheken vorstellen, diskutieren, ihre Ideen und Einwände aufnehmen und so geeignete Unterstützungsmodelle finden“.

Ein interessantes Geschäftsmodell präsentierte Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Czaplik, Geschäftsführer der Docs in Clouds GmbH: Mit Hilfe von telemedizinischer Konsultation können Apotheker*innen mit wenigen Handgriffen bspw. Puls und Blutdruck der Patient*innen messen und zusammen mit den zuständigen Hausärzt*innen die passende Medikation abstimmen. Prof. Czaplik betont: „Telemedizinische Sprechstunden in der Apotheke sind quasi als Erweiterung zur sogenannten Videosprechstunde zu sehen, weisen aber zwei wesentliche Vorteile auf: Einerseits können Medizingeräte zum diagnostischen Einsatz kommen, andererseits kann das Apotheken-Fachpersonal den Patienten bei der Bedienung der Geräte und Technik unterstützen.“

Elke Breidenbach, Leiterin Gesundheitswirtschaft der Region Aachen betonte, wie wichtig es ist jetzt zu handeln. „Die Herausforderungen im Gesundheitssektor sind aktuell bereits deutlich spürbar, gerade vor dem Hintergrund des weiter voranschreitenden Fach- und Arbeitskräftemangels besteht Handlungsbedarf. Wir arbeiten in der Region daran digitale Lösungen zu etablieren, um den Gesundheitssektor zu entlasten. Beispielhaft konnten wir nun in einer Gemeinde, in der aktuell die hausärztliche Unterversorgung droht, in einer Apotheke mit einer Pilotphase die telemedizinische ärztliche Konsultation im Apotheken Notdienst starten.“

Neben den Herausforderungen der sinkenden Apothekenzahlen, dem Fachkräftemangel und der Lieferengpässe von den Apotheken bestand ein Konsens darin, dass die Potentiale der Apotheken stärker genutzt werden müssen. Es müssen Strukturen erarbeitet werden, in denen die Beratungskompetenz der Apotheker*innen verstärkt eingesetzt werden kann, und so eine flächendeckende Versorgung mit hoher Qualität gewährleistet ist.

Finanziell unterstützt wird das Projekt durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen und der europäischen Union.

Ansprechpartner*in

Martine Kuckartz
Team Gesundheitswirtschaft
+49 (0)241 927 8721-82

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