30.07.2021

Investitionen in die Wissenschaft – ein Mehrwert für die Regionalwirtschaft

Forschungsprojekte und wissenschaftliche Einrichtungen finanzieren sich nur teilweise durch Bundes- und Landesmittel. Denn Drittmittel spielen eine bedeutende Rolle in der Investitionsbeschaffung. Und diese Drittmittel fließen als Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen oder über Gehälter und deren Kaufkraft ebenfalls in die jeweiligen Regionen.

Eine gutes Beispiel bietet dafür die Studie der IHK Aachen[1] aus dem Jahr 2020. Die Studie betrachtet die Effekte wissenschaftlicher Einrichtungen auf die Wirtschaft der Region Aachen.

Im Bereich der Drittmittel sind die RWTH Aachen und die FH Aachen hervorzuheben. Die RWTH Aachen wirbt deutschlandweit die meisten Drittmittel ein. Insgesamt ca. 300 Mio. € erhält die RWTH Aachen von regionalen und überregionalen Partnern und deckt somit 38 % ihres jährlichen Etats. Die FH Aachen finanziert sich zu 14,5 % aus Drittmitteln und wirbt jährlich ca. 20 Mio. € für die Region ein.

Und jeder in der Region Aachen in Hochschulen investierte Euro erzielt eine zusätzliche Wertschöpfung von 21 Cent[2]. So leisten wissenschaftliche Einrichtungen einen hohen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung beitragen.

Um beim Beispiel Aachen zu bleiben: Insgesamt werden durch die beiden Hochschulen ca. 2,3 Mrd. € ausgegeben. Hiervon verbleiben etwa 1,02 Mrd. € in der Region Aachen. Durch die zusätzliche Wertschöpfung entsteht in der Region also eine Gesamtnachfrage von 1,23 Mrd. €[3].

Ein ähnliches Bild ergibt die Wirtschaftsstudie der Region Aachen 2020. Als einer der sechs identifizierten Leitmärkte der Region ist der Bereich „Bildung und Forschung“ mit einem jährlichen Umsatz von ca. 1,67 Mrd. € eine Säule der regionalen Wirtschaft[4].

Dass dem Bereich Forschung und Entwicklung ein enormer Stellenwert in der Region Aachen besitzt, zeigt sich auch im Spezialisierungsgrad im Vergleich mit dem bundesweiten Mittel. Die Bedeutung des Teilmarkts für die Region ist 3,5-mal so hoch wie in Deutschland insgesamt[5].

Hierüber hinaus stellt sich ein zweiter wichtiger Effekt ein: die Schaffung von Arbeitsplätzen für wissenschaftliches wie nicht-wissenschaftliches Personal. Das zeigt sich deutlich bei einer durch die Region Aachen vorgenommene Stichprobe aus 13 regionalen und überregionalen Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen im Juli 2021.

Eigene Darstellung

Es zeigt sich, dass 44 % des Personals der Institutionen einer nicht-wissenschaftlichen Beschäftigung nachgeht. Hierunter fallen bspw. Arbeitsplätze in der Administration, in der Wartung von Gebäuden und Maschinen oder in der Verpflegung.

Zudem erzeugen im Jahr 2019 in der Region Aachen die Konsumausgaben der 18.000 Mitarbeiter*innen (525 Mio. €) und 61.000 Studierenden (509 Mio. €) insgesamt geschätzt 11.000 weitere Arbeitsplätze, insbesondere im Handel (2.240 VZÄ) sowie im Gastgewerbe (950 VZÄ)[6].

Man sieht also, dass wissenschaftliche, bildende und forschende Institutionen neben Arbeitsplätzen im Wissenschaftsbereich auch solche in vielen weiteren Bereichen schaffen.

Im Leitmarkt „Bildung und Forschung“ der Region Aachen, sind im Jahr 2019 in diesem Bereich ca. 36.500 Menschen beschäftigt und das sind rund 8,3 % aller Beschäftigten in der Region Aachen.

Neben den Beschäftigten in Hochschulen besitzen hier auch die Teilmärkte wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (ca. 10.000 Beschäftigte) sowie Forschung und Entwicklung (ca. 11.000 Beschäftigte) besondere Bedeutung[7].

Der Bereich „Bildung und Forschung“ stellt sich dabei als hochdynamisch heraus. Zwischen 2008 und 2019 stieg das Beschäftigungswachstum in der Region um 36,7 % und damit deutlich stärker als im Vergleich mit NRW (32,0 %) oder dem Bund (25,4 %)[8].

Außerdem sind Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen Ausgangspunkt für zahlreiche Unternehmens- und Start-up-Gründungen. Vor allem technologieorientierte Unternehmensgründungen entstehen häufig im Umfeld wissenschaftlicher Einrichtungen. Eine Befragung der IHK Aachen ergab[9], dass ca. 60 % der Gründer*innen technologieorientierte Unternehmen in der Region Aachen aus der RWTH Aachen (49 %) und der FH Aachen (11%) stammen.

Diese technologieorientierten Unternehmensgründungen sind ein bedeutender Faktor für die regionale Wirtschaft und schaffen zahlreiche innovative und nachhaltige Arbeitsplätze. Die 1.765 technologieorientierten Unternehmen in der Region Aachen beschäftigen Ende 2019 36.287 Personen – Tendenz steigend.

Eigene Darstellung nach IHK 2020b

All diese Fakten zeigen also eindrucksvoll, dass Forschungsprojekte und wissenschaftliche Einrichtungen durchaus eine hohe regionalwirtschaftliche Wirkung haben. Auch wenn diese nicht jedem direkt ersichtlich ist, lohnen sich Investitionen in diese.

Quellen:

IHK Aachen (2020a): Wirtschaftsfaktor Wissenschaft. Die Bedeutung der wissenschaftlichen Einrichtungen und deren ökonomische Effekte auf die Region Aachen.

IHK Aachen (2020b). Technologiegründungen und -unternehmen in der Wirtschaftsregion Aachen, Düren, Euskirchen & Heinsberg: Studie 2020.

Region Aachen (2021). Wirtschaftsstudie Region Aachen 2020.

[1] IHK Aachen 2020a

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Region Aachen 2021

[5] Ebd.

[6] IHK Aachen 2020a

[7] Region Aachen 2021

[8] Ebd.

[9] IHK Aachen 2020b

Stichworte dieses Beitrags:
Strukturwandel

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Leiter
Wirtschaft, Raum und Strukturwandel
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