Wie wird aus einem fünf Kilogramm schweren Magnesiumblock eine federleichte Schraube für die Medizintechnik? Und was hat eine kleine Seidenraupe mit Implantaten für die Zahnmedizin zu tun?
Bei der 3. Route der Innovation im Rahmen unser Projekt Care for Sustainable Innovation am 3. September 2026 konnten die Teilnehmenden genau diesen Weg verfolgen – direkt bei drei Unternehmen der Aachener BioMedTech-Branche.
Die 3. Route der Innovation stand diesmal ganz im Zeichen der „Medizintechnik von heute und für morgen“.
Meotec GmbH, Fibrothelium GmbH und medical magnesium öffneten ihre Türen und gaben Einblicke in Materialien, Herstellungsprozesse und Anwendungen, die bereits heute in der Medizintechnik eine Rolle spielen.
Zum Auftakt führten Artur Janiszek, Christoph Ptock, Julia Böhmer und Dr. Jan-Marten Seitz in die unterschiedlichen Technologien und Prozesse ein. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie aus verschiedenen Ausgangsmaterialien Schritt für Schritt Lösungen für den medizinischen Einsatz entstehen.
Magnesium in der Medizintechnik
Bei Meotec GmbH und medical magnesium ließ sich dieser Weg besonders anschaulich nachvollziehen – von der Entwicklung des Materials bis zum fertigen Implantat. Meotec entwickelt und verarbeitet bioresorbierbare Magnesium- und Zinklegierungen in medizinischer Qualität. Dazu gehören verschiedene Schritte von der Herstellung und Umformung über die Fertigung und Oberflächenbearbeitung bis hin zur Verpackung im Reinraum. medical magnesium knüpft daran mit bioresorbierbaren Magnesiumimplantaten für orthopädische und unfallchirurgische Anwendungen an.
Während der Route konnten die Teilnehmenden die Verarbeitung des Magnesiums Schritt für Schritt verfolgen. Am Anfang stand ein handelsüblicher Magnesium-Massel, ein rund fünf Kilogramm schwerer Block. Über mehrere Verarbeitungsschritte wurde daraus zunächst eine lange, dünne Stange und schließlich eine leichte Schraube für den medizinischen Einsatz.
Der besondere Vorteil des Materials liegt in seiner Bioresorbierbarkeit: Nach der Heilung kann das Magnesium schrittweise vom Körper abgebaut werden. Je nach Anwendung kann dadurch eine spätere Operation zur Entfernung des Implantats vermieden werden.
Implantatmaterial aus Seidenprotein
Dass innovative Implantatmaterialien nicht zwangsläufig aus Metall bestehen müssen, zeigte anschließend die Fibrothelium GmbH.
Bei Fibrothelium werden Proteinlösungen aus natürlicher Seide entwickelt, die unter anderem für Anwendungen in der Zahnmedizin eingesetzt werden können. Grundlage ist Fibroin, ein Protein, das aus der Seide des Seidenspinners gewonnen wird.
Damit führte die Route von resorbierbaren Metallen zu biologischen Materialien und gab Einblicke in unterschiedliche Ansätze für die Entwicklung neuer Implantatmaterialien.
© MedLife e. V.
Pitches von Clinomic und Femi-ON
Nach den Einblicken in Materialien und Produktion folgten zwei weitere Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung.
Max Skorning von Clinomic stellte mit „Elaine“ eine KI-Lösung vor, die speziell für die Anforderungen im Krankenhausbetrieb entwickelt wurde. Auf Basis aktueller Leitlinien und Standard Operating Procedures (SOPs) unterstützt Elaine medizinisches Fachpersonal dabei, durch Behandlungspfade zu navigieren.
Femi-ON GmbH setzte einen anderen Schwerpunkt: Menstruationsschmerzen. Marion Schink stellte einen Ansatz vor, mit dem Beschwerden ohne Hormonpräparate oder Medikamente gelindert werden sollen. Die entwickelte Lösung setzt dabei direkt am Entstehungsort der Schmerzen an.
Die beiden Pitches erweiterten die Perspektive der Route damit über Material- und Produktionstechnologien hinaus – hin zu konkreten Herausforderungen im klinischen Alltag und in der Gesundheitsversorgung.
© MedLife e. V.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gastgeberunternehmen, Referierenden und Teilnehmenden, die ihre Erfahrungen, Technologien und Perspektiven eingebracht und die 3. Routen der Innovation zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.
Die nächste Station steht bereits fest: Am 3. November 2026 geht die Route weiter. Dann sind die Routen der Innovation zu Gast bei der Schoeller Werk GmbH & Co. KG in Hellenthal.
Den Termin am besten schon jetzt vormerken – wir freuen uns auf die nächste Route!
Begleitet werden die Routen der Innovation von Monika Mallau, MedLife e. V., und Gaby Mahr-Urfels, AGIT mbH.
Care for Sustainable Innovation (CSI) ist ein gemeinsames Projekt von Region Aachen Zweckverband, Stadt Aachen, StädteRegion Aachen, WFG für den Kreis Heinsberg, Uniklinik RWTH Aachen, RWTH Aachen University, digitalHUB Aachen e. V., MA&T Sell & Partner GmbH, MedLife e. V. und AGIT mbH.
Das Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die Europäische Union im Rahmen von EFRE/JTF in NRW gefördert.