Extreme Hitze stellt die Gesundheitsversorgung und Pflege vor wachsende Herausforderungen. Nordrhein-Westfalen reagiert darauf mit drei neuen Förderprogrammen: Zwischen 2027 und 2030 sollen insgesamt 286,6 Millionen Euro in den Hitzeschutz in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kommunen fließen. Damit sollen besonders gefährdete Menschen besser geschützt und Versorgungsstrukturen langfristig auf zunehmende Hitzeperioden vorbereitet werden.
Die Hitzeperiode Ende Juni 2026 hat deutlich vor Augen geführt, wie stark extreme Temperaturen das Gesundheitswesen belasten können. Über elf aufeinanderfolgende Tage blieben die Temperaturen außergewöhnlich hoch, auch nachts fehlte vielerorts die notwendige Abkühlung. Besonders betroffen sind ältere und vorerkrankte Menschen sowie Personen, die auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind.
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums gehen Schätzungen des Robert Koch-Instituts für Nordrhein-Westfalen von rund 3.150 hitzebedingten Sterbefällen im Sommer 2026 aus. Dabei handelt es sich um modellbasierte Schätzungen zur hitzebedingten Mortalität.
Förderhöhe und Verwendungsbereich
Den größten Anteil der Förderung erhalten die Krankenhäuser. 200 Millionen Euro sind für Umbauten zur Klimatisierung, aktiven Kühlung und Verschattung vorgesehen. Dazu zählen unter anderem Intensivstationen, Kreißsäle, Notaufnahmen, OP-Säle, Pflegestützpunkte und einzelne Stationen.
Für den Pflegebereich sollen weitere 50 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Gefördert werden können unter anderem fest installierte Klimageräte sowie Kühldecken und Kühlsegel einschließlich der Installation. Mobile Klimageräte sind in Ausnahmefällen vorgesehen. Die Mittel für die Pflege stehen noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers.
Auch die kommunalen Strukturen sollen gestärkt werden. Mit insgesamt 36,6 Millionen Euro sollen in den 53 Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens bis zu zwei Vollzeitstellen für Hitze-Gesundheitsmanagerinnen und -manager geschaffen werden. Sie sollen besonders hitzegefährdete Menschen vor Ort besser erreichen und praxisnahe Unterstützungsangebote koordinieren.
Ergänzend stellt die SozialstiftungNRW 20 Millionen Euro für Klimatisierungsmaßnahmen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe bereit.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sieht nach den Erfahrungen dieses Sommers weiteren Handlungsbedarf:
„Klar ist aber: Die Hitzeperiode Ende Juni war eine Zäsur, die deutlich gemacht hat, dass weiterer Handlungsbedarf besteht.“
Mit den neuen Förderprogrammen soll Hitzeschutz deshalb stärker und dauerhaft in Gesundheitsversorgung, Pflege und kommunalen Strukturen verankert werden.
Hitzeschutz als Teil einer resilienten Gesundheitsversorgung
Dabei geht es nicht allein um Klimaanlagen und Verschattung. Die Anpassung an extreme Hitze betrifft die gesamte Versorgungskette – von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen über Gesundheitsämter bis hin zu Rettungsdiensten und Angeboten für Menschen in der eigenen Häuslichkeit.
Gefragt sind bauliche Lösungen ebenso wie funktionierende Warnsysteme, Präventionsangebote und gut koordinierte Strukturen vor Ort. Nordrhein-Westfalen arbeitet bereits im Zentralen Netzwerk für gesundheitsbezogenen Hitzeschutz NRW daran, Erfahrungen aus Gesundheits- und Sozialwesen zusammenzuführen und praktische Hilfen für Einrichtungen und Kommunen weiterzuentwickeln. Zusätzlich entwickelt eine Expertenrunde unter Leitung des Gesundheitsministeriums ein Hitzereaktions- und Warnsystem für die gesundheitliche und pflegerische Versorgung.
Was bedeutet das für die Region Aachen?
Auch für die Region Aachen ist die Entwicklung relevant. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Kommunen stehen vor der Aufgabe, ihre Infrastruktur an längere und intensivere Hitzeperioden anzupassen. Gleichzeitig entstehen neue Anknüpfungspunkte für innovative Lösungen aus Gesundheitswirtschaft, Wissenschaft und Technologie.
Welche konkreten Fördermöglichkeiten sich für Einrichtungen und Kommunen in der Region ergeben, wird von der weiteren Ausgestaltung der Programme abhängen. Klar ist bereits jetzt: Klimaanpassung wird zunehmend zu einem festen Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung.
Ein besonderer Dank gilt dabei den Beschäftigten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdiensten, Gesundheitsämtern und weiteren medizinischen Einrichtungen, die die Versorgung auch unter extremen Bedingungen aufrechterhalten.
Die angekündigten Investitionen schaffen nun zusätzliche Möglichkeiten, Hitzeschutz frühzeitig mitzudenken, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und die Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen langfristig widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen aufzustellen.