05.03.2026

„Gamechanger Inklusion“: Starkes Signal aus der Region beim 3. Fach- und Arbeitskräftesummit

Inklusion gehört ins Zentrum unternehmerischen Handels und muss vor Ort, in den Regionen, gestaltet werden.

Unter dem Titel „Gamechanger Inklusion – Potenziale erkennen, Unternehmen stärken“ kamen rund 150 Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und der Trägerlandschaft zum 3. Fach- und Arbeitskräftesummit des Region Aachen Zweckverbands (RAZV) am 26. Februar 2026 im Mediahuis Aachen zusammen.

Die kostenfreie, praxisorientierte Veranstaltung zeigte konkrete Wege auf, wie Betriebe Inklusion strategisch nutzen können und Menschen mit Behinderung erfolgreich in den Arbeitsalltag integrieren, um Fachkräfte zu gewinnen und Mitarbeitende zu binden. Ein entscheidendes Fazit: Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sie gehört ins Zentrum unternehmerischen Handels. Hierfür bedarf es einer echten Veränderung des Mindsets.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann begrüßte in seiner Videobotschaft, dass sich die Region Aachen dem Thema Inklusion auf dem Arbeitsmarkt mit Tatkraft annimmt: „Menschen mit Behinderung haben große Potenziale, von denen Unternehmen profitieren können, aber dennoch nach wie vor geringe Chancen, aus Arbeitslosigkeit eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Besonders in Zeiten des Arbeitskräftemangels können und wollen wir das nicht akzeptieren. Wir brauchen jede und jeden, um die Herausforderungen der Zeit zu stemmen. Die Landesregierung hat gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgebern und Unterstützungssystem die Inklusionsinitiative gestartet, um Menschen mit Behinderungen und offene Stellen künftig besser zusammenbringen.“

Bernhard Ulrich, Leiter der Gruppe II B – Ordnung auf dem Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktpolitik, Migration im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der in Vertretung von Minister Laumann teilnahm, betonte, dass Inklusion kein soziales Randthema sein darf: „Inklusion ist kein Gefallen, sondern eine kluge unternehmerische Entscheidung. Wir benötigen ein System der Selbstverständlichkeit und das kann nur vor Ort, wie zum Beispiel hier in Aachen, gestaltet werden. Wenn wir es schaffen, dass dieses Beispiel Schule macht, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu echter Inklusion getan.“ Es brauche die Aktivitäten in den Regionen und Öffentlichkeitsarbeit wie solche Veranstaltungen, um das Thema in die Breite zu tragen.

Claudia Middendorf, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten hob die die Wichtigkeit der Landesinitiative Inklusion hervor: „Die ‚Gemeinsame Initiative zur Stärkung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt Nordrhein-Westfalens‘, die das Land Nordrhein-Westfalen im April 2024 ins Leben gerufen hat, ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung des inklusiven Arbeitsmarktes. Die Einstellung von Menschen mit Behinderungen birgt große Chancen für Unternehmen und trägt dazu bei, bisher noch ungenutzte Potenziale fördern zu können. Von einem inklusiven Arbeitsmarkt profitieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie die Unternehmen und schlussendlich die gesamte Gesellschaft.“

Dirk Leßmann, Vice President Operations bei der Babor Beauty Group, erläuterte, wie Unternehmen dazu beitragen können, dass Vielfalt zum Erfolgsfaktor wird: „Leistung ist in Unternehmen eine Basis des Erfolgs. Gleichzeitig bemisst sich die Würde eines Menschen nicht an seiner Leistungsfähigkeit. Wenn wir als Gesellschaft – und Unternehmen sind ein wichtiger Teil davon – eine Kultur und Strukturen hätten, die das stärker verankern, wäre schon sehr viel erreicht. Denn Leistungsfähigkeit ist vergänglich – spätestens im Alter, manchmal durch Krankheit oder Schicksalsschläge. Unser Wert als Menschen bleibt davon unberührt. Daher bedeutet Inklusion für mich, allen Menschen respektvoll zu begegnen, sie zu befähigen und konsequent Wirkung zu erzielen – bei jedem nach seinen Fähigkeiten.“

Ulla Thönnissen, Geschäftsführerin des RAZV, die als Moderatorin durch die Veranstaltung führte, schloss die Veranstaltung mit dem Resümee: „Die größte ungenutzte Ressource ist nicht Technologie – es sind Menschen, die arbeiten wollen und zu oft nicht gefragt werden. Inklusion ist keine Wohltätigkeit. Sie ist eine kluge unternehmerische Entscheidung. Wer inklusiv denkt, gewinnt Motivation, Loyalität und genau die Fachkräfte, die fehlen. Die Strukturen, Förderinstrumente und Netzwerke sind da. Die Beispiele funktionieren – direkt in unserer Region. Es mangelt nicht an Lösungen. Es mangelt manchmal am Mindset und am ersten Schritt. Inklusion beginnt nicht mit Konzeptpapieren. Sie beginnt mit einer Entscheidung. Wer Fachkräfte sichern und wirtschaftlich stark bleiben will, muss verstehen: Inklusion ist kein Zusatz. Sie ist Teil der Lösung und kann ein echter Gamechanger sein.

© Christian van’t Hoen
Gemeinsam stark für Inklusion (von links nach rechts):
Günter Sevenich (Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit
Aachen – Düren), Sabine Bell (Schwerbehindertenvertretung Lebenshilfe Aachen e.V.), Christoph Beyer (Leiter Inklusionsamt Landschaftsverbands Rheinland), Dirk Leßmann (Vice President Operations der Babor Beauty Group), Kirsten Ehrenberg (Abteilungsleiterin bei Via Integration), Bernhard Ulrich (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und
Soziales NRW), Walter Knops (Arbeitsvermittler Berufliche Rehabilitation und Teilhabe, Agentur für Arbeit Aachen – Düren), Maria Kirchner (Personalleiterin bei Eaton Filtration GmbH), Claudia Rustige (Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsunternehmen), Claudia Middendorf (Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten), Prof.in Dr. Mathilde Niehaus (Arbeit und berufliche Rehabilitation, Universität zu Köln), Ulla Thönnissen (Geschäftsführerin RAZV), Stephan Leuschner )Mitarbeiter bei Eaton Filtration GmbH).

 

Praxisnahes Programm für Unternehmen

  • Die Teilnehmenden erwartete ein vielfältiges Programm mit Impulsvorträgen aus Wirtschaft und Praxis, Informationen zu Förder- und Unterstützungsangeboten sowie Gesprächsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Im Fokus standen vor allem konkrete Lösungen für den betrieblichen Alltag, ehrliche Erfahrungsberichte und direkter Austausch.
  • Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung des neuen Netzwerks „Inklusiver Arbeitsmarkt in der Region Aachen“, das Unternehmen künftig gezielt unterstützen und miteinander vernetzen soll. Ziel ist es, vorhandene Beratungs- und Unterstützungsstrukturen besser sichtbar zu machen, Zugänge zu erleichtern und Hemmschwellen abzubauen.
  • Der Summit machte deutlich: Inklusion ist nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe, sondern ein zentraler Baustein moderner Fachkräftesicherung. Gerade in Zeiten zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangels bietet sie Unternehmen konkrete Chancen.
  • Das gesamte Programm und alle Speaker*innen der Veranstaltungen gibt es hier.

Mit finanzieller Unterstützung von:

Ansprechpartner*in

Simon Zabel
Leiter Regionalagentur Region Aachen
+49 241 927 8721-40

Ansprechpartner*in

Saskia Karbach
Team Regionalagentur Region Aachen
+49 241 927 8721-44

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